Valerian

Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten
Originaltitel:  Valerian and the City of a Thousand Planets – Erscheinungsjahr: 2017 – Regie: Luc Besson

Erscheinungstermin: Ab 20. Juli

Darsteller: Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Rihanna, Ethan Hawke etc.

Filmkritik: Oh. Shit. Ich hab ja ganz vergessen ein Review zu „Valerian“ zu schreiben. Und warum das alles? Wahrscheinlich, weil „Valerian“ schlicht und ergreifend ein riesiges Problem hat: Sämtliche menschliche Figuren und deren Interaktion. Luc Bessons Liebeserklärung an seine Lieblingscomics will alles jetzt, hier, auf einmal und am besten in doppelter Ausführung: Außerirdische, fremde Welten, fantastische Technologien, kosmischen Intrigen, Verschwörungen die ganze Dimensionen umspannen … und, oh ja, Mist: Irgendwie muss es dazwischen auch noch so etwas wie Protagonisten geben!+

Die außerirdischen Dialogprobleme

Die „so etwa wie Protagonisten“ von „Valerian“ sind Laureline und der titelgebende Valerian, die als Raum-Zeit-Agenten das Universum beschützen sollen. Das gelingt ihnen, auch wenn irgendwie jeder Mensch der mit ihnen Kontakt hat dabei drauf geht. Vielleicht ziehen dies viele auch vor, denn so muss man nicht mehr mitbekommen was passiert, wenn Valerian und seine Partnerin den Mund aufmachen. Von minutenlangen Expositionstexten, über komplett bescheuerte – oder französische? – Liebesdialoge ist alles mit dabei und das in Massen. Dass obendrauf auch noch Dane DeHaan und seine Kollegin eher aussehen wie jugendliche Cosplayer, als kampfgestärkte Weltall-James-Bonds, tja, das ist ein weiteres Problem.

Richtig schlimm wird das bei dem konsequenten Liebesgeschichten-Techtelmechtel der beiden Hauptfiguren. Denn als Zuschauer bekommt man schlicht alles über die Figuren gesagt, ohne es selbst zu erleben. Anstatt zu sehen wie sich Valerian und Laureline verlieben, bekommt man gleich das typische „Er will sie heiraten, sie will nicht mit dem ‚Bad Boy‘ ins Bett“ serviert. Addiert man dazu die oft regelrecht außerirdischen – oder französischen – Verhaltensweisen der Beiden, ist das Ganze ein Rezept für genervte Blicke und laute Seufzer, wenn man gerade kein Alien zum Anstaunen da ist.

Ferne Welten, trippige Bilder

Auf der anderen Seite ist „Valerian“ wahrscheinlich einer der am schönsten aussehenden Streifen des Jahres – und darüber hinaus. Die Bilderpracht die Luc Besson hier in jedem Moment entfaltet ist eigentlich immer atemberaubend, so sehr sogar, dass man dadurch schon einmal locker wieder das planlose Geblubber der Helden ignorieren kann. Von erstklassigen Alien-Kreationen, bis hin zu den großangelegten Sets stimmt hier einfach alles. Man braucht mit Sicherheit mehrere Sichtungen, um diesem optischen Overkill überhaupt gerecht zu werden.

Die eigentliche Struktur des Geschehens fühlt sich dabei an wie ein altes Serial, oder eben eine geraffte aktuelle Serie. Immer wieder gibt es kleinere Sequenzen und in sich abgeschlossene Mini-Handlungen, die vielleicht ein wenig zum übergreifenden Plot beitragen, aber auch gut für sich selbst existieren können. Dass die eigentliche Grundhandlung dabei gar nicht mal sonderlich viel Sinn macht, kann man geflissentlich ignorieren.

Das ewige Problem mit dem 3D-Kino

Eine Sache zum 3D: Luc Besson hat den Streifen anscheinend in 2D gedreht und dann eben mitsamt den zig tausenden von Effekten in die dritte Dimension verfrachtet. Im Kino bei der PV war das „3D Erlebnis des Jahres“ – oder so etwas in der Richtung, was die Trailer gerne meinen – extrem enttäuschend, was aber sicherlich auch an der Projektion gelegen haben kann. Wer im Endeffekt vor der Wahl steht, sollte vielleicht einfach die 2D Variante nehmen, da ohnehin keine direkt für die dritte Dimension angelegten Einstellungen vorhanden sind. Aber ich lasse mich auch noch gerne eines Besseren überzeugen, wenn die Heimkino-Edition erhältlich ist.
Persönlich habe ich von ein paar Freunden bereits gehört, dass deren 3D-Erfahrung deutlich besser war als meine. Da das Ganze also scheinbar vom Kino abhängig ist, kann man wohl am besten selber einschätzen, ob die heimischen Lichtspielhäuser das eher vermurksen, oder doch gekonnt auf die Leinwand bringen. Aber, wie gesagt: Auch ohne die dritte Dimension laden die zahlreichen Monster und farbenfrohene Gestaltungsideen zum Staunen ein!

Fazit: Ob man „Valerian“ im Endeffekt mag, kommt auf einen wichtigen Punkt an: Kann man dämliche bis gestelzte Dialoge zu Gunsten einer faszinierenden Welt und kreativer Ideen ignorieren? Wenn ja, dann sollte man sich „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ unbedingt im Kino ansehen. Wenn nein, dann sollte man so schnell es geht in die andere Richtung rennen und frühestens beim Heimkino wieder einen Gedanken an den Streifen verschwenden.
Persönlich konnte ich die Dialoge ignorieren und war verliebt in den Look, weshalb ich einfach mal ein Auge zudrücke und die Filmbewertung 6 von 10 gebe.

P.S.: Nein, „Valerian“ kommt leider nicht an Luc Bessons erstklassigen „Das fünfte Element“ heran. Denn eben jener Streifen hatte glücklicherweise interessante und sympathische Figuren, welche dem Effektspektakel jenseits seiner eigenen Kreativität eine Seele gegeben hat.

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