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Rum Diary

Rum Diary
Originaltitel: Rum Diary – Erscheinungsjahr: 2011 – Regie: Bruce Robinson



Darsteller:
Amber Heard, Johnny Depp, Aaron Eckhart, Giovanni Ribisi, Richard Jenkins, Amaury Nolasco, Michael Rispoli, Marshall Bell, Bill Smitrovich, Karen Austin, Andy Umberger, Julian Holloway, Sam J. Jones u.A.

Filmkritik: Hunter S. Thompson. Der hochmoralische und noch abgedrehtere Journalist ist eine der Größen seiner Zunft. Und neben Bill Murray in „Blast – Wo die Büffel röhren“ dürfte er bislang wohl den meisten durch "Fear And Loathing In Las Vegas" bekannt sein. Sein alter Ego in dieser Romanverfilmung wurde gespielt von Johnny Depp, der nun in „Rum Diary“ einmal mehr diesen Part spielt, nachdem er zuvor sogar ein guter Freund des leider bereits verstorbenen Autors geworden war.

Und, am besten fällt man mit der Tür ins Haus: Viele Leute scheinen die komplett falschen Erwartungen an „Rum Diary“ zu haben. Anstatt mit abgedrehten Drogenszenen zu punkten und eine überdrehte Bildersprache zu präsentieren, gehen die Dinge hier deutlich ruhiger an. Kein Wunder, spielte doch "Fear And Loathing In Las Vegas" Anfang der 70er Jahre in der Hochphase des Konsums aller möglichen Uppers, Downers, Drogen und sonstiger Verrücktheiten. „Rum Diary“ spielt 1960 in Puerto Rico. Und damit nicht genug: Anstatt sich einzig auf Hunter S. Thompsons, oder in diesem Falle „Paul Kemp“, wie seine Rolle im Roman heißt, Abgefahrenheit zu verlassen, bekommt man hier zu sehen, wie es eben dazu kam, dass diese Person überhaupt so wurde wie sie eben wurde. „Hunter S. Thompson Begins“ sozusagen. Und diese Aufgabe und noch ein paar mehr erfüllt der Streifen ganz famos!

Einer geht noch, einer geht noch rein…

Der noch junge Journalist Paul Kemp landet also auf Puerto Rico und wird nun in die dortige Gesellschaft eingeführt. Ein reicher Immobilienhändler (wie immer großartig: Aaron Eckhardt, immer schwankend zwischen schleimigem High-Society-Arsch und durchaus nettem Gönner) will sich Kemps Schreibe zunutzen machen, um durch bestimmte Artikel die öffentliche Meinung zu beeinflussen und seine Pläne weiter zu treiben, während Kemp dabei eher ein Auge auf dessen Freundin (Amber Heard) geworfen hat und deshalb zuerst bleibt… Dazwischen gibt es noch zahlreiche Episoden mit skurrilen Figuren wie Kemps Chef, der ständig am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu stehen scheint; einen „Experten-Journalisten“ der ständig auf Droge ist und auch Kemp zu manch einem merkwürdigen Trip überredet (Giovanni Ribisi als eine Art Proto-Thompson, dessen Einfluss den Film durch immer größer wird) und und und.

Dabei ist die Inszenierung tadellos: Schwelgende Bilder aus Puerto Rico, pointiert montierte Szenen, die den ohnehin schon mit viel leiser Komik angereichertem Geschehen das i-Pünktchen aufsetzen und ein ebenso passender Score, welcher sowohl die dramatischen Momente akkurat untermalt, aber gleichzeitig auch in die paradiesische Umgebung verschlägt.
Die Handlung schreitet dabei konsequent voran und führt weitere Figuren wie auch Probleme ein, aber wer eben "Fear And Loathing In Las Vegas" erwartet, der wird von der durchaus ruhigeren Gangart des Films sicherlich vor den Kopf gestoßen sein.

Hier geht es ganz um die Figuren und falls diese eben bei „Fear And Loathing“ gefallen habe und man eben sehen möchte, wie die Menschen zu dem geworden sind, was sie nachher waren, der kann im Allgemeinen sehr gerne einen Blick auf diesen Film werfen. Ganz besonders jene Leute, die schlicht einen stilvollen Streifen voller gut geschriebener Figuren, leisen dramatischen, wie auch humorvollen Momenten genießen wollen, ohne allzu lautes Tohuwabohu oder gar Zoten jenseits der Gürtellinie.
Hier ist alles eben noch etwas zurückhaltender, was aber eben wie die Faust aufs Auge zum Jahrzehnt, der Geschichte und den Figuren passt. Die wilden Jahre kommen noch.

Am Ende ist dann alles vielleicht sogar etwas zu schnell vorbei, aber es ist fast wie im wirklichen Leben: Es läuft nicht alles so, wie es geplant war. Aber das kann man dann sicherlich auch auf etliche negativen Kritiken beziehen, welche eben wohl zumeist eine ganz falsche Vorstellung dessen hatten, was sie denn da nun erwartet. Leider. Denn „Rum Diary“ hat sich seinen Platz neben „der anderen großen Hunter S. Thompson Verfilmung“ durchaus redlich verdient. Eine tolle Romanadaption!

Filmbewertung: 8/10

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